Bezirksversammlung Bergedorf

Auszug - Flüchtlingsunterkunft Kurt-A.-Körber-Chaussee  

 
 
Sitzung des Fachausschusses für Soziales, Gesundheit und Integration
TOP: Ö 5
Gremium: Fachausschuss für Soziales, Gesundheit und Integration Beschlussart: (offen)
Datum: Di, 03.11.2015 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 18:00 - 20:15 Anlass: Sitzung
Raum: Großer Sitzungssaal, 1.Stock
Ort: Wentorfer Straße 38, 21029 Hamburg
 
Protokoll

Frau Harland stellt die aktuelle Situation in der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung (ZEA) an der Kurt-A-Körber-Chaussee dar.

 

Im Moment sind 660 Flüchtlinge auf dem Gelände des ehemaligen Baumarktes Max Bahr untergebracht. 140 Flüchtlinge wurden inzwischen auf andere Wohnunterkünfte aufgeteilt. Dadurch hat sich die Situation verbessert. Die Probleme sind allerdings nicht verschwunden.

Die Lärmbelastung ist sehr hoch, sodass es schwierig ist, insbesondere nachts Ruhe zu finden. Zwischenzeitlich wurde ein Sichtschutz durch Trennwände eingerichtet, um etwas Rückzugsraum zu bieten.

 

Zurzeit leben 12 schwangere Frauen und 15 Babys in der Unterkunft.

 

Die ärztliche Versorgung soll künftig durch Ärzte des Krankenhaus Bethesda erfolgen, die jeden Vormittag eine Sprechstunde anbieten werden. Bisher stellte das zentrale Gesundheitsamt Altona die medizinische Versorgung sicher.

Falls tig sollen den Betroffenen in Zukunft Behandlungsscheine für die niedergelassenen Ärzte ausgestellt werden. Sie lobt, dass sich viele Arztpraxen dazu bereit erklären, den Flüchtlingen trotz Patientenaufnahmestopp zeitnah Termine zu geben. Das Familien-Hebammenteam des Sprungbrett e.V. ist jeden Montag zwei Stunden vor Ort präsent.

 

Die Fluktuation in der Unterkunft ist weiterhin sehr hoch, da Personen mit erkennbarer Bleibeperspektive schnell in Folgeeinrichtungen verbracht werden, in denen diese dann allerdings meist 9-12 Monate verbleiben. Dennoch hält sie einen Kindergarten und eine Beschulung bereits in der ZEA für nötig. Frau Harland begrüßt, dass es trotz des Fehlens von Gemeinschaftsträumen in der ZEA durch zwei gespendete Rundzelte und den Einsatz von Ehrenamtlichen glich ist, eine Kindergruppe anzubieten. Außerdem ist eine interne Beschulung durch Personal des Roten Kreuzes und der Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB) in für diesen Zweck bereitgestellten Containern vorgesehen.

 

Frau Harland freut sich, dass es 25 jungen Bewohnern in Zusammenarbeit mit der Universität Hamburg ermöglicht werden konnte, an einer Studienvorbereitung teilzunehmen.

 

Sprache ist ein zentraler Baustein für Integration. Daher wird schon in der Notunterkunft ein Sprachkurs für 400 Personen mit guter Bleibeperspektive angeboten, der auch im Falle einer Verlegung weiter besucht werden kann. Allen Anderen soll zumindest ein Grundwortschatz vermittelt werden. Der Verein sucht hierfür derzeit geeignete Räumlichkeiten im Bezirk, die dann auch für andere Angebote wie handwerkliche Kurse genutzt werden könnten.

 

Der Bedarf an Bekleidung ist nach wie vor sehr groß. Daher fand am 10.10.15 eine Sonderaktion zur Kleiderverteilung statt. Nach ihren Informationen wird die Zentrale Kleiderkammer im Friedrich-Frank-Bogen in den kommenden Tagen damit beginnen, Spenden entgegen zu nehmen und ab November mit der Ausgabe beginnen.

Frau Steffen erinnert daran, dass die Bezirksversammlung in ihrer letzten Sitzung die Verwaltung beauftragt hat, die zentrale Kleiderkammer zu realisieren. Deren Eröffnung steht im November an, eine entsprechende Mitteilung an den Fachausschuss folgt in Kürze.

 

Neuerdings wird ein Kino-Angebot bereitgestellt und es gibt eine Handy-AG, um die Flüchtlingen im Bedarfsfall mit gebrauchten Mobiltelefonen zu versorgen und ihnen den Kontakt zu Ihren Verwandten zu ermöglichen.

 

Laut Frau Harland stehen nach wie vor nicht genug Dolmetscher zur Verfügung, so dass auf diesem Gebiet weiterhin ehrenamtliche Helfer gesucht werden. Sie bittet auch um die Hilfe der Ausschussmitglieder. 

 

Die Hygienecontainer müssten in größerer Anzahl zur Verfügung stehen. Zudem erfolgt die Zahlung eines Taschengeldes erst nach der Registrierung. Diese erfolgt vor Ort durch Mitarbeiter der ZEA in Harburg. Es gibt jedoch einen Rückstau, so dass die Bewohner auch im Hinblick auf Hygieneartikel auf Spenden angewiesen sind.

 

Auf die Frage von Herrn Kirstein teilt Frau Harland mit, dass die Verpflegung durch einen Caterer erfolgt. Es werden in der ZEA drei Mahlzeiten angeboten.

 

Frau Harland antwortet Herrn Mahel, dass es keine genauen Zahlen darüber gibt, wie viele ältere Menschen in der Unterkunft leben.

 

Herr Walter weist auf die vielen Missstände in der Notunterkunft hin. Die Hygieneumstände, die Lärm- und Lichtbelastung und der fehlende Rückzugsort sind große Probleme. Zudem gibt es keinen Wetterschutz auf dem Weg außerhalb der Halle aufgestellten Hygienecontainern

 

Frau Harland berichtet Frau Gündüz, dass die Dolmetscher bei Arztterminen durch rdern und Wohnen (f&w) auf Honorarbasis zur Verfügung gestellt werden sollen.

 

Herr Rehberg beklagt, dass in der ZEA WLAN nur bereit gestellt werden kann, indem die Initiative Freifunk die Bewohner umliegender Gebäude dazu bewegt, ihre Netzwerke zu öffnen. Frau Harland betont, dass dieses Problem in sämtlichen Hamburger Unterkünften zu lösen ist.

 

Auf die Frage von Herrn Krönkerhrt Frau Harland aus, dass ihr von Verbindungen der in der ZEA mit ihren Familien lebenden Jugendlichen zu  den in der nähren Umgebung untergebrachten minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen nichts bekannt ist. Außerdem bittet Herr Krönker, die Bewohnerzahl in der ZEA nicht aufzustocken, in dem man dort Doppelstockbetten aufbaut, da somit das Konfliktpotential zwischen den Bewohner wieder steigen würde. Frau Steffen weist in diesem Zusammenhang auf die im Vordergrund stehende Notwendigkeit hin, die eintreffenden Flüchtlinge zunächst in festen Unterkünften unterzubringen.   

 

Herr Bomnüter merkt an, dass man aus einigen umliegenden Gebäude durch die Fensterfront der ZEA über die Sichtschutzwände blicken kann und bittet, hier Abhilfe zu schaffen

 

Frau Winkler schlägt am Beispiel der ZEA in der Osterade vor, die Sicherheitskräfte anzuhalten, möglichst zurückhaltend und in ziviler Kleidung aufzutreten, um den Flüchtlingen und den ehrenamtlichen Helfern Berührungsängste zu nehmen.