Bezirksversammlung Bergedorf

Auszug - Denkmalschutz auf dem Bergedorfer Friedhof sicherstellen - beschlossene Fassung Referent : Herr Dr. Beck, Kulturbehörde Der Kulturausschuss wird nachrichtlich hinzugeladen.  

 
 
Sitzung des Umweltausschusses
TOP: Ö 3
Gremium: Umweltausschuss Beschlussart: (offen)
Datum: Mi, 18.01.2017 Status: öffentlich/nichtöffentlich
Zeit: 18:00 - 19:45 Anlass: Sitzung
Raum: Großer Sitzungssaal, 1.Stock
Ort: Wentorfer Straße 38, 21029 Hamburg
20-0870 Denkmalschutz auf dem Bergedorfer Friedhof sicherstellen - beschlossene Fassung
   
 
Status:öffentlichDrucksache-Art:Antrag
Verfasserin:Fraktion DIE LINKEAktenzeichen:655.00-03
Federführend:Dezernat Steuerung und Service   
 
Protokoll

Herr Dr. Beck berichtet, dass der von Wilhelm Cordes als Parkfriedhof konzipierte Bergedorfer Friedhof unter Denkmalschutz steht. Besonders hervorzuheben ist die besondere Gebäudesubstanz, insbesondere die Hauptkapelle, das Eingangstor und das Toilettenhäuschen. Bereits vor 20 Jahren sind die beiden aufwändig gestalteten und künstlerisch bedeutsamen Grabstätten der Familien Lange und Messtorff ebenfalls unter Denkmalschutz gestellt worden.

Zurzeit wird der Bestand der ca. 600 Gräber aus der Zeit vor 1950 denkmalpflegerisch in Hinblick auf weitere Unterschutzstellungen durch das Denkmalschutzamt gesichtet.

Die nach dieser Zeit entstandenen Gräber zeichnen sich gestalterisch durch sehr schlichte, einfache Stehlen mit einfachem Schriftbild aus.

r den Ohlsdorfer Friedhof ist in Zusammenarbeit mit dem Förderkreis Freunde des Ohlsdorfer Friedhofs ein sehr zeitaufwändiges Pilotprojekt gestartet worden, welches versucht, nach 1950 angelegte Grabstellen zu inventarisieren, um anschließend festzustellen, welche Gräber erhaltenswert sind. Ein solches privates Inventarisierungsprojekt mit dem Ziel der Zuarbeit für das Denkmalschutzamt wäre nach Ansicht von Dr. Beck auch in Bergedorf denkbar, um das Verschwinden kunsthistorisch oder geschichtlich bedeutsamer Grabstellen zu verhindern und den Charakter des Friedhofs zu erhalten. Dies würde gleichzeitig aber auch eine Auflistung der abzuräumenden Grabstellen durch die Verwaltung zum Abgleich erfordern.

Herr Dr. Beck gibt jedoch zu bedenken, dass im Falle der Unterschutzstellung einer abgelaufenen Grabstelle das Eigentum daran an die Freie und Hansestadt Hamburg fällt, welche anschließend für deren Unterhaltung und Pflege zuständig ist. Dazu werden in Ohlsdorf Patenschaften vergeben. Problematischerweise befinden sich die Grabsteine jedoch immer im Eigentum der Besitzer.

Herr Walter ergänzt, dass es im Bezirk Bergedorf weitere sehr alte, erhaltenswerte Friedhöfe vor allem im Landgebiet gibt. Eine Intention dieses Antrags der Fraktion Die Linken Bergedorf ist daher auch, generell über privates Engagement zum Erhalt der Charaktere dieser Friedhöfe nachzudenken.

Frau Strehlow fragt, ob die betroffenen Familien Kenntnis davon erhalten, wenn bereits noch nicht zur Abräumung anstehende Gräber unter Schutz gestellt werden sollen. Dies verneint Herr Dr. Beck, rechtlich gingen die Grabstellen in das Zubehör des Friedhofs über und darüber müssten die Angehörigen nicht informiert werden.

Herr Eggers weist auf die Möglichkeit für einzelne Friedhöfe wie z.B. den Friedhof in Kirchwerder hin, wie in früheren Zeiten zwischen den Gräbern Rasen zu säen und dort Schafe weiden zu lassen.

Herr Walterchte wissen, wie viele Grabstellen jährlich in Bergedorf abgeräumt werden.

Herr Charles gibt die Antwort zu Protokoll.

 

Protokollnotiz:

2014: 229 Erdgräber uns 17 Urnengräber,

2015: 276 Erdgräber und 14 Urnengräber,

2016: 203 Erdgräber und 22 Urnengräber.

 

Außerdem fragt Herr Walter, wann eine Grabstelle abgeräumt würde und wer über deren besondere Bedeutung entscheide.

Herr Charles antwortet, dass Gräber generell nach 25 Jahren ablaufen und wenn die Nutzungsberechtigten dann keine Verlängerung mehr beantragten, könne das Grab geräumt werden. Überlegungen, ob einem Grab möglicherweise eine besondere Bedeutung zukäme, stelle gegenwärtig nur die Verwaltung an. Für einige besondere Gräber hat die Bezirksversammlung beschlossen, dass das Bezirksamt deren Pflege übernimmt. Herr Charles merkt dabei kritisch an, dass dieses Vorgehen die Gefahr berge, dass bedeutende Gräber nicht erkannt und folglich geräumt würden. Er begrüße daher eine Liste über bedeutsame Grabstellen.

Abschließend regt Herr Walter an, die Erstellung solch einer Liste als Entscheidungshilfe für die Verwaltung unter Hinzuziehung verschiedenster Beteiligter zu forcieren und stellt einen entsprechenden Antrag an die Bezirksversammlung in Aussicht.

Frau Lühr bedankt sich bei Herrn Dr. Beckr die Ausführungen und die Beantwortung der Fragen der Ausschussmitglieder.