Bezirksversammlung Bergedorf
Drucksache - 20-0022.1
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Sachverhalt: Auskunftsersuchen der BAbg. Gündüz, Kotzbau, Lenné und SPD-Fraktion
Aus einem Bericht in der Bergedorfer Zeitung vom 06.06.14 war zu erfahren, dass die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg (KVH) eine Untersuchung vorgelegt hat, in der sie die Wege zu Haus- und Fachärzten in den einzelnen Hamburger Stadtteilen ermittelt hatte. Laut dem Bericht kommt die KVH zu dem Ergebnis, dass der durchschnittliche Patient einen Hausarzt in einer Entfernung von ca. 430 m erreichen kann. (Bei Fachärzten steigt dieser Wert auf bis zu 15 km an.) Eine genaue Betrachtung der Zahlen zeigt jedoch, dass die Patienten tatsächlich deutlich weiter - nämlich mehr als 4 km zum Haus- oder Kinderarzt - gehen müssen. Ein weiterer Teil der Untersuchung der KVH zeigt auch, dass die Arztpraxen im Hamburger Osten zu nahezu 50% Patienten aus dem nahen Schleswig-Holstein versorgen, wo die Versorgungsangebote offensichtlich noch schlechter sind. Vor dem Hintergrund dieser widersprüchlichen Angaben stellen sich für die SPD-Fraktion weitere Fragen:
Die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz beantwortet das Auskunftsersuchen vom 20. Juni 2014 auf der Grundlage einer Stellungnahme der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg (KVH)wie folgt:
1) Wie hoch ist der Patientenanteil aus anderen Bundesländern an der Zahl der versorgten Patienten bei Bergedorfer Ärzten? Bitte nach Haus- und Fachärzten aufschlüsseln.
Nach Mitteilung der KVH liegen derzeit keine Statistiken zur Anzahl der von Bergedorfer Ärztinnen und Ärzten versorgten Patientinnen und Patienten aus Bergedorf bzw. anderen KV-Bereichen vor. Insgesamt ist für Hamburg von einem Patientenanteil aus umliegenden Ländern in Höhe von über 20 auszugehen. Nach der Bedarfsplanungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses ist Hamburg hinsichtlich der allgemeinen fachärztlichen Versorgung als Regionstyp 1 (stark mitversorgend) klassifiziert, so dass die für die Bedarfsplanung zur Anwendung kommenden Verhältniszahlen (Arzt zu Einwohner) für diese Arztgruppe die Versorgung von Patientinnen und Patienten aus dem Umland bereits berücksichtigt. Ein Eindruck von den Versorgungsverflechtungen kann nach Auskunft der KVH die in der Anlage beigefügte Darstellung geben. Diese veranschaulicht den Anteil, den die Bergedorfer Ärztinnen und Ärzte (hausärztliche Praxen und alle Praxen) für Patientinnen und Patienten aus a) dem eigenen Stadtteil (für Stadtteil), b) einem anderen Hamburger Stadtteil (Hamburg sonst) und c) aus anderen KV-Bereichen (Nicht-Hamburg) erbracht haben. Dabei bezieht sich die Größe des Kreises auf die absolute Anzahl der Leistungen, die von den ansässigen Praxen insgesamt erbracht wurde. Danach nehmen die Hamburger Patientinnen und Patienten ärztliche Leistungen (insgesamt) bzw. hausärztliche Leistungen vielfach nicht am Wohnort, sondern in anderen Stadtteilen in Anspruch (Hamburg sonst). Auch ist für alle betrachteten Hamburger Regionen erkennbar, dass die ärztlichen bzw. hausärztlichen Praxen durchgängig auch von Nichthamburgern in Anspruch genommen werden, insbesondere in Alsternähe und Harburg (Nicht-Hamburg).
2) Wurde bei den vorgelegten durchschnittlichen Entfernungen zu den Haus- und Fach-arztpraxen die tatsächlich vom Patienten zurückgelegte Strecke erfasst, also die Strecke zu der in Anspruch genommenen Praxis, oder der theoretisch kürzeste Weg von Wohnort zu Praxis, auch wenn diese Praxis nicht in Anspruch genommen wurde?
Nach Mitteilung der KVH wurden sowohl die theoretisch kürzeste (Luftlinien-)Strecke zwischen Praxisstandort und Wohnsitz des Patienten als auch die tatsächlich vom Patienten für den Arztbesuch zurückgelegte (Luftlinien-)Strecke erhoben. Die theoretisch kürzesten Strecken reichen dabei von 430 Metern im Schnitt bei den Hausärzten/innen bis hin zu durchschnittlichen 3,15 Kilometern bei den Radiologen/innen über alle Stadtteile und Regionen.
3) Wenn nur der theoretisch kürzeste Weg von Wohnort zu Praxis erfasst wurde, wie sehen die Zahlen für die tatsächlich zurückgelegte Strecke aus?
Nach Mitteilung der KVH wurde mit der Studie sowohl die theoretisch kürzeste Verbindung als auch die tatsächlich zurückgelegte Strecke zwischen Wohnort und aufgesuchter Praxis ermittelt. Danach reichen die tatsächlich zurückgelegten Strecken von jeweils durchschnittlich 2,3 Kilometern (Luftlinie) bei den Hausärzten/innen, 3 Kilometern bei Kinderärzten/innen und bis hin zu etwa 7,4 Kilometern (Luftlinie) bei den Radiologen/innen. Die durchschnittlich zurückgelegte Strecke zu Haus- und Kinderärzten/innen in Bergedorf entspricht diesem Hamburger Durchschnitt. Für alle anderen Arztgruppen liegt die zurückgelegte Wegstrecke für Bergedorf zwischen der minimalsten und maximalsten Luftlinienentfernung; eine detaillierte Auswertung liegt nicht vor.
4) In wie vielen der in Bergedorf gelegenen Haus-, Kinder- und Facharztpraxen bestehen derzeit Patietenaufnahmestopps? Bitte nach den einzelnen Ärztegruppen aufschlüsseln.
Nach Mitteilung der KVH liegen hierzu keine Statistiken oder Erhebungen vor.
5) Wie hoch ist die Inanspruchnahme der Praxisbudgets bei Bergedorfer Ärzten? Gibt es Praxen bei Bergedorfer Ärzten, die ihr Praxisbudget nicht ausschöpfen? Wenn ja, wie viele, in welchem Umfang und in welcher Arztgruppe?
Die nachfolgenden Tabellen der KVH listen die Zahl der Praxen auf, die ihr sogenanntes Praxisbudget nicht ausgeschöpft haben („individuelles Leistungsbudget“, Stand 4. Quartal 2013):
6) Wann ist mit der Veröffentlichung der konkreten Zahlen zu den Patientenwanderungen in Bergedorf zu rechnen?
Nach Mitteilung der KVH ist über diese Frage noch nicht entschieden worden.
7) In dem KVH-Magazin vom Mai 2014 wird wiederholt die These aufgestellt, dass die Bergedorfer gesünder seien als der Hamburger Durchschnitt. Worauf stützen sich diese Aussagen?
Nach Mitteilung der KVH geht die Aussage auf die Ergebnisse des sog. „Morbiditätsatlasses“, der von der BGV der Stadt Hamburg 2013 beim Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland in Auftrag gegeben wurde, zurück. Die in diesem Zusammenhang durchgeführte Erhebung der Zahl und Häufigkeit bestimmter, ausgewählter Krankheiten in den einzelnen Stadtteilen und Regionen Hamburgs (Diagnoseprävalenz) hat für Bergedorf u. a. ergeben, dass die Krankheitsdichte von Herzinsuffizienz, psychischen und neurologischen Krankheiten, Demenz, Glaukom, Bronchitis bei Kindern im Stadtteilvergleich unterdurchschnittlich ausfällt. Andere Bereiche wie Hypertonieerkrankungen und Prostatakarzinome weisen leicht erhöhte Werte auf.
8) Hat die KVH Kenntnisse über die Altersstruktur der in Bergedorf praktizierenden Haus- und Fachärzte? Wie viele der bisher in Bergdorf tätigen Haus- und Fachärzte werden nach Erkenntnis/Erfahrung der KVH in den kommenden 10 Jahren die Praxis schließen. Angaben bitte aufschlüsseln nach Arztgruppen.
Nach Angaben der KVH stellt sich die Zahl der in Bergedorf tätigen Haus- und Fachärzte/innen, die 50 Jahre und älter sind, wie folgt dar. Eine seriöse Vorhersage über möglicherweise ausscheidende und in das System neu kommende Ärzte ist nach Mitteilung der KVH nicht möglich.
Petitum/Beschluss: --- Anlage/n:
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