Bezirksversammlung Bergedorf

Drucksache - 20-0097.1  

 
 
Betreff: Chancen für den Eichbaumsee
Status:öffentlichDrucksache-Art:Antwort
Verfasserin:CDU-FraktionAktenzeichen:522.82-62
  Bezüglich:
20-0097
Federführend:Dezernat Steuerung und Service   
Beratungsfolge:
Bezirksversammlung Bergedorf
30.10.2014 
Sitzung der Bezirksversammlung Bergedorf an Fachausschuss verwiesen   
Regionalausschuss
18.11.2014 
Sitzung des Regionalausschusses zur Kenntnis genommen   

Sachverhalt
Beschlussvorschlag
Anlage/n

Sachverhalt:

Auskunftsersuchen der BAbg. Froh, Woller, von Witte, der RgA Mitglieder Capeletti und Gronau und Fraktion der CDU

 

Der Eichbaumsee in den Vier- und Marschlanden könnte eine zusätzliche Attraktion zum Baden in dieser herrlichen Kulturlandschaft sein, aber die vorgesehene Bestimmung erfüllt er schon seit Jahren nicht. Ein Badeverbot hindert die Nutzung der einladenden Badestellen mit Sandstrand und Liegewiese. Grund ist die wiederkehrende Bildung der gesundheitsschädlichen Blaualgen. Seit 1990 versucht die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) mit diversen Maßnahmen, die Wasserqualität zu verbessern. Der Einsatz einer Zwangszirkulations- und Tiefenwasserbelüftungsanlage sowie sogenannte Phosphorfällungen mit Bentophos zeigten zwar gewünschte Effekte, insofern als der Blaualgen- und Phosphorgehalt maßgeblich sank, aber seit 2008 ist der See wegen Sanierungsarbeiten gesperrt.

Der See entstand in den Jahren 1972 - 1976 durch Sandentnahme aus einem Seitenarm der Dove-Elbe. Nach Ende der Baggerarbeiten wurde der See von der Dove-Elbe abgetrennt. Dadurch hat der See keinen oberirdischen Zu-oder Abfluss. Die Wasserzufuhr erfolgt nur durch Regen und Grundwasser, wobei der Wasseraustausch mit dem Grundwasser nur sehr gering zu sein scheint.

Die Mitglieder der baltischen Seglervereinigung (BSV) regen an, den See zur Dove Elbe wieder zu öffnen, um der gestiegenen Wassersportnutzung auf der Dove-Elbe gerecht zu werden. Scheinbar führt die BSU gegen diesen Vorschlag an, dass die Wasserqualität des Eichbaumsees nicht zu kontrollieren sei, wenn Elbwasser einfließe. Die Dove-Elbe sei ähnlich mit Algen belastet, wie der Eichbaumsee, da sie an landwirtschaftlichen Flächen vorbei fließe und sich dort mit Phosphaten anreichere, die das Wachstum der Blaualgen fördern. Diese Behauptung steht im Widerspruch zu Messergebnissen des Hamburger Instituts für Hygiene und Umwelt, nach denen die Dove Elbe 2014 besonders sauber und „die Belastung mit Bakterien und Blaualgen außerordentlich gering“ sei. Auf Grundlage dieser Einschätzung fanden in der Dove Elbe im Juli die Internationalen Deutschen Meisterschaften im Freiwasserschwimmen 2014 statt, zu denen Senator Michael Neumann Teilnehmer und Gäste herzlich im Namen des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg willkommen hieß.

 

Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt beantwortet das Auskunftsersuchen vom 8. September 2014 wie folgt:

 

  1. Welche Maßnahmen wurden im Einzelnen zur Wiederherstellung der Wasserqualität des Eichbaumsees als Badegewässer durchgeführt?

 

Zu 1.:

Zur Wiederherstellung der Badegewässerqualität wurden folgende Maßnahmen durchgeführt:

-          seit 1990 regulärer Betrieb einer Zwangszirkulationsanlage,

-          1993: fischereiwissenschaftliche Untersuchung mit ökologischer Fischbesatzregulierung als flankierende Maßnahme zur Algenverringerung,

-          2003: Phosphorausfällung mit Aluminiumsalzen,

-          2005: Abschaltung der Zwangszirkulationsanlage und Installation eines ersten Tiefenwasserbelüfters (TWBA) des Typs Polyp, mit nachfolgenden strömungstechnischen Anpassungen,

-          2007: Installation eines zweiten Polyp-TWBA

-          Einsetzung einer Fachkonferenz zur weiteren Restaurierung des Eichbaumsees,

-          Ende 2008: Abschaltung der TWBA mit nachfolgender Beobachtung des Seeverhaltens 2009 und 2010,

-          November 2010: erste Bentophos-Einbringung zur besseren Phosphorbindung mit 148 t aus Bundesmitteln. Unterschiedliche jährliche Nachapplikationen bis 2013. Insgesamt erfolgte eine bisherige Einbringung von 288 t Bentohops.

-          2013: Umsetzung von ökologischen Biotopverbesserungen der Uferstrukturen, Röhricht- und Wasserpflanzenansiedlungen.

 

 

 

 

 

 

 

  1. Wie viel haben die Maßnahmen bisher gekostet? Bitte nach Maßnahme und mit Jahreszahl aufgliedern?

 

Zu 2.:

Insgesamt sind seit 1989 über 25 Jahre ca. 1,65 Mio. Euro Haushaltsmittel in die Restaurierung des Eichbaumsees eingesetzt worden. Das entspricht durchschnittlich 66.000 Euro pro Jahr.

Übersicht der durchgeführten Maßnahmen am Eichbaumsee:

 

Ende 1989/ Anfang 1990

                   Installation einer Zwangszirkulationsanlage (Durchmischung des gesamten Sees)

    3 jähriges gutachterliches Begleitprogramm

    Betriebskosten

115.000 €

 

150.000 €

4.000 €/a

1990

technische Optimierung der Anlage

40.000 €

1993

fischereiwissenschaftliche Untersuchung mit ökologischer Besatzregulierung

30.000€

 

1997

im Rahmen von betrieblich bedingten Anlagenausfällen gutachterliche Spezialuntersuchungen

50.000 €

2000

fischereiwissenschaftliche Kontrolluntersuchung

30.000€

November 2003

    in lake-Phosphorfällung mit Aluminiumsalzen

                   begleitende Untersuchungen zur Effizienzkontrolle über 3 Jahre

90.000 €

48.000 €

Anfang 2005

    Installation der ersten Tiefenwasserbelüftungsanlage (TWBA)

    limnologische Begleituntersuchungen 2005/2006

    Betriebskosten

75.000 €

 

30.000 €

4.000 €/a

März 2007

    Installation der zweiten TWBA

    limnologisches Überwachungsprogramm über 3 Jahre

    Betriebskosten

89.000 €

39.000 €

4.000 €/a.

2007

    See muss aufgrund der Blaualgenbelastung den überwiegenden Teil der Badesaison gesperrt werden

 

2008

    See bleibt gesperrt, die TWBA werden Ende 2008 abgeschaltet

 

2009

    See bleibt gesperrt

 

2010

    November 2010 Applikation mit Bentophos (148 t), See bleibt gesperrt, die TWBA bleiben abgeschaltet

500.000

(90% durchKonjunkturprogramm II des Bundes)

Ab 2010

    Monitoring

50.000 €

2011

    Oktober 2011 Applikation mit Bentophos (12 t), See bleibt gesperrt, die TWBA bleiben abgeschaltet

10/2011: übernommen von Institut Dr. Nowak

2012

    Applikation mit Bentophos März 2012 (16 t), Juni 2012 (12 t in das Hypolimnion), Dezember 2012 (50 t), See bleibt gesperrt, die TWBA bleiben abgeschaltet

03/2012: übernommen von Institut Dr. Nowak

 

06/12:

35.700

 

12/12:

46.100

2013

    Umsetzung von Maßnahmen zur Verbesserung der Uferstruktur, Anpassung des Fischbestandes zur Unterstützung der Verbesserung der Nährstoffbelastung

    See bleibt gesperrt

40.000 €

2013

    Applikation mit Bentophos (50 t) November 2013

127.000 €

2013

    Monitoring

49.600 €

 

Summe ohne Betriebskosten und Monitoring

1.157.800 €

 

zzgl. Betriebskosten 1990-2015 und Monitoring

488.900 €

 

Gesamtsumme

1.646.700

 

 

  1. Wie ist der aktuelle Zustand des Eichbaumsees gemäß Monitoring?

 

Zu 3.:

Der aktuelle Zustand der Badegewässerqualität ist gemäß Monitoring gut.

 

  1. Wird damit gerechnet, eine für Badegewässer geeignete Wasserqualität für den See erreichen zu können? Wenn ja, wann? Wenn nein, wieso nicht?

 

Zu 4.:

Der Mechanismus der Eutrophierung ist in diesem Falle durch eine höchst ungewöhnliche hohe Phosphor-Rücklösungsrate aus den alten Sedimenten verursacht. Mit einer Sicherung der Badegewässerqualität wird gerechnet, da die Phosphorrücklösungsmenge aus dem Sediment naturgemäß begrenzt sein muss.

 

  1. Wie viel kosten die laufenden Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität im Eichbaumsee?

 

Zu 5.:

Siehe Antwort zur Ziffer 2.

 

 

 

 

 

  1. Mit welchen zusätzlichen Kosten rechnet die Verwaltung, bis die gewünschte Wasserqualität am Eichbaumsee hergestellt ist?

 

Zu 6.:

Eine gute Badegewässerqualität ist grundsätzlich bereits erreicht, doch muss diese möglichst ungestört stabilisiert werden, da noch weiterhin sommerliche Phosphorrücklösungen aus dem Sediment auftreten. Mittlerweile müssten über 3/4 des rücklösungsfähigen Phosphors durch Bentophos festgelegt worden sein. Die tatsächlichen Verhältnisse sind mit Untersuchungen nicht zuverlässig einzuschätzen.

 

  1. Wäre eine Nutzung des Eichbaumsees als Badegewässer und zum Segeln in seiner derzeitigen von der Dove-Elbe abgedeichten Form möglich?

 

Zu 7.:

Der Eichbaumsee ist maximal ca. 300 m breit und 1 km lang. Das erscheint aus Sicherheitsgründen hinsichtlich der  Schwimmer als zu klein, um Segeln neben der Badenutzung zuzulassen. Auch die bestehende Angelnutzung ist zu berücksichtigen.

 

  1. Müssten die Badestellen am Eichbaumsee aus der Liste der Badegewässer entfernt werden, wenn der Eichbaumsee zur Dove-Elbe geöffnet würde? Wenn ja, warum? Wenn nein, wieso nicht?

 

Zu 8.:

Im Falle einer Öffnung zur Dove Elbe ist mit einer Verschlechterung der Wasserqualität zu rechnen. Dieses würde eine Badegewässernutzung wiederum in Frage stellen. Die benachbarte Dove Elbe Regattastrecke ist ausgebaggert auf Tiefen bis 12 m. Die Fließgeschwindigkeit ist sehr langsam, weswegen sich dieses Becken ökologisch wie ein Standgewässer und nicht wie ein Fließgewässer verhält. Die Nährstoffeinflüsse durch die Dove Elbe wären ungünstig und wegen der Einzugsgebiete unkalkulierbar. Entgegen der Annahme im Sachverhalt weist die Dove Elbe die limnologisch schlechtere Wasserqualität auf. Auch ist der Eichbaumsee mit bis zu 16 m tiefer, was zu einer Nährstoffsenke für die Dove Elbe mit neuerlicher Faulschlammbildung im Eichbaumsee führen würde. Der Wasserspiegel der Dove Elbe liegt um einige Dezimeter über dem des Eichbaumsees, was bei einer Öffnung die Konsequenz eines deutlich höheren Wasserstandes hätte. Die hygienische Situation hinsichtlich der Belastung mit potentiellen Krankheitskeimen wäre ebenfalls nicht beherrschbar. Es ist anzunehmen, dass die Anforderungen der Badegewässer-Verordnung nicht kontinuierlich zu erfüllen sein werden.

 

 

 

 

 

  1. Was würde die Öffnung des Eichbaumsees zur Dove-Elbe kosten? Soweit damit noch keine Befassung stattfand, warum nicht?

 

Zu 9.:

Mit den Kosten für eine Öffnung zur Dove Elbe wurde sich noch nicht befasst (siehe auch Antwort zu 8.).

 

  1. Wann wurden 2014 Wasserproben der Dove-Elbe entnommen und welche Ergebnisse wurden hinsichtlich ihrer Wasserqualität festgestellt?

 

Zu 10.:

Durch das Institut für Hygiene und Umwelt wurden 2014 seit April monatlich an zwei Messstellen in der Dove Elbe Wasserproben analysiert. Bezüglich der Wasserqualität liegen die Nährstoffgehalte zu hoch für einen dauerhaften Einfluss in den Eichbaumsee. Derlei ist auch jährlich schwankend von den meteorologischen und anderen Einflussgrößen abhängig.

 

  1. Wie erklären sich die unterschiedlichen Beurteilungen der Wasserqualität der Dove-Elbe? Muss dort das Schwimmen wegen angeblich ähnlicher Algenbelastung, wie der Eichbaumsee verboten werden oder eignet sich die Dove Elbe zum Schwimmen, wie gegenüber den Teilnehmern des Schwimmturnieres angegeben?

 

Zu 11.:

Die unterschiedlichen Beurteilungen der Wasserqualität der Dove Elbe erklären sich durch natürliche Schwankungen, die aus den vielfältigen Quellen in dem offenen System möglich sind. Analog zu der Schwimmnutzung beim Triathlon in der Alster werden kurz vor der Veranstaltung die hygienischen Parameter überprüft und die Schwimmnutzung kann dementsprechend freigegeben werden oder nicht.

 

 


Petitum/Beschluss:

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Anlage/n:

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Stammbaum:
20-0097   Chancen für den Eichbaumsee   Dezernat Steuerung und Service   Auskunftsersuchen nach § 27 BezVG
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