Bezirksversammlung Bergedorf

Drucksache - 20-0299.1  

 
 
Betreff: Abriss der Gebäude Chrysanderstaße 3 und 5
Status:öffentlichDrucksache-Art:Antwort
Verfasser:Fraktion GRÜNE BergedorfAktenzeichen:621.02-09
  Bezüglich:
20-0299
Federführend:Dezernat Steuerung und Service   
Beratungsfolge:
Fachausschuss für Bauangelegenheiten
25.02.2015 
Sitzung des Fachausschusses für Bauangelegenheiten (offen)   
Bezirksversammlung Bergedorf
26.02.2015 
Sitzung der Bezirksversammlung Bergedorf ungeändert beschlossen   

Sachverhalt
Beschlussvorschlag
Anlage/n

Sachverhalt:

Auskunftsersuchen der BAbg. Fleige, Lühr, Scharnke und Fraktion GRÜNE

 

Der Bergedorfer Zeitung vom 15.01.2015 war zu entnehmen, dass die Gebäude Chrysanderstraße 3 und 5 demnächst für einen Neubau abgerissen werden sollen.

 

Das Denkmalschutzamt der Hansestadt Hamburg hat in seiner 1997 erschienenen „Denkmaltopographie“ selbst ausgeführt: „[Die Bausubstanz] besitzt außerordentlich prägende Gestalt am Eingang der Chrysanderstraße und repräsentiert darüber hinaus sehr anschaulich sowohl den Typ von Nutzbauten als auch die Fachwerkkonstruktion des frühen 19. Jahrhunderts.“ Dennoch hat der heutige Eigentümer die Streichung des Gebäudes aus der Liste der schutzwürdigen Objekte erreicht und das Haus über Jahre verfallen lassen.

 

 

Vor diesem Hintergrund fragen wir:

 

 

Die Kulturbehörde nimmt zu dem Auskunftsersuchen, Fragen 1-3 und 5, vom 28. Januar 2015 wie folgt Stellung, Frage 4 beantwortet das Bezirksamt:

 

1. Wann genau hat das Denkmalschutzamt die Streichung der Gebäude aus der Liste der schutzwürdigen Objekte vollzogen und welche Mitarbeiter waren daran beteiligt?

 

2. Welche denkmalfachlichen Gründe gibt das Denkmalschutzamt dafür an, dass es seinerzeit die Fachwerkgebäude aus der Liste der schutzwürdigen Objekte im Bezirk Bergedorf herausgenommen hat?

 

 

 

Zu 1. und 2.:

Das Gebäude wurde zu keinem Zeitpunkt im Verzeichnis der erkannten Denkmäler oder der Denkmalliste geführt. Es wurde 2006 nicht aus der Denkmaltopographie in das Verzeichnis der erkannten Denkmäler übernommen.

 

 

3. In der 1997 vom Denkmalschutzamt Hamburg herausgegebenen Denkmaltopographie Bergedorf/Lohbrügge ist den Gebäuden Chrysanderstr. 3 und 5 eine halbe Seite gewidmet worden. Hier heißt es u.a. wörtlich, dass die „Bausubstanz erhalten geblieben“ ist und „nur geringe Veränderungen aufweist.“ Welche Erkenntnisse liegen dem Bezirksamt und dem Denkmalschutzamt über die baulichen Veränderungen und den plötzlich angeblich schlechten Bauzustand vor, mit dem der Abriss begründet wird?

 

Zu 3.:

Im Rahmen eines 1995 eingeleiteten Unterschutzstellungsverfahrens wurde der baulich schlechte Erhaltenszustand sowie die Sanierungsunfähigkeit durch ein anerkanntes Architekturbüro im September 1996 festgestellt und von Seiten des Denkmalschutzamtes 1997 bestätigt. Eine Sanierung hätte einen Verlust von 80 % der denkmalwerten Bausubstanz bedeutet und wäre zudem aufgrund der hohen unrentablen Sanierungskosten wirtschaftlich nicht zumutbar gewesen. Ein Erhalt war damit denkmalfachlich nicht sinnvoll.

 

 

4. Welche Bauanträge sind seit der Feststellung der Schutzwürdigkeit durch das Denkmalschutzamt im Jahr 1997 bis zur plötzlichen Streichung aus der Liste der denkmalwürdigen Objekte bei dem Bezirksamt eingereicht und genehmigt worden.

 

Zu 4.:

Da laut Denkmalschutzamt das Gebäude zu keinem Zeitpunkt im Verzeichnis der erkannten Denkmäler oder der Denkmalliste geführt wurde und auch nicht plötzlich aus der Liste der denkmalwürdigen Objekte des Bezirksamtes entfernt wurde, ist die Beantwortung der Frage so nicht möglich. Deshalb hier die beantragten und erteilten Genehmigungen für den Zeitraum 1996 bis 2014.

-          Neubau 3gesch. Geschäftsgebäude und Aufstockung Treppenhaus, eingereicht am 21.06.1996, genehmigt am 15.08.1996

-          Verkaufspavillon, eingereicht am 21.06.1996, genehmigt am 25.09.1996

-          Einbau von neuen Schaufenstern, eingereicht am 19.02.2004, genehmigt am 23.04.2004

-          Abbruch der Bestandsgebäude (Erweiterungsbauten, Fachwerkhaus, Glaspavillon), eingereicht am 12.07.2013, genehmigt am 12.08.2014

-          Neubau eines Geschäftsgebäudes mit Einzelhandelsnutzung und Büroflächen Umbau/Änderung des bestehenden Gebäudes, eingereicht am 07.04.2014, genehmigt am 22.12.2014

 

 

5. Da insbesondere geschichtliche und städtebauliche Gründe für die Erhaltung der Gebäude sprechen, fragen wir, welche Möglichkeit das Denkmalschutzamt aufgrund des neuen Denkmalschutzgesetzes sieht, den Denkmalschutz zumindest für die Fassaden durchzusetzen?

 

Zu 5.:

Da sich an der Erhaltensfähigkeit des Gebäudes einschließlich seiner Fassaden sowie der mit einer Sanierung verbundenen wirtschaftlichen Unzumutbarkeit nichts geändert hat, kann auch nach dem neuen Denkmalschutzgesetz kein Erhalt des Gebäudes gefordert werden. Der Erhalt der Fassaden wäre kein denkmalfachliches Ziel, da diese allein den Denkmalwert dieses Gebäudes nicht begründen können. Ein Fassadenerhalt wäre ggf. eine bezirkliche Aufgabe im Rahmen der Durchsetzung der städtebaulichen Erhaltensverordnung.

 

 

 


Petitum/Beschluss:

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Anlage/n:

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Stammbaum:
20-0299   Abriss der Gebäude Chrysanderstaße 3 und 5   Dezernat Steuerung und Service   Auskunftsersuchen nach § 27 BezVG
20-0299.1   Abriss der Gebäude Chrysanderstaße 3 und 5   Dezernat Steuerung und Service   Antwort