Bezirksversammlung Bergedorf

Drucksache - 20-0224.1  

 
 
Betreff: Gibt es Grenzwerte für LCKW im Grundwasser?
Status:öffentlichDrucksache-Art:Antwort
Verfasserin:Fraktion DIE LINKEAktenzeichen:573-03
  Bezüglich:
20-0224
Federführend:Dezernat Steuerung und Service   
Beratungsfolge:
Bezirksversammlung Bergedorf
26.03.2015 
Sitzung der Bezirksversammlung Bergedorf an Fachausschuss verwiesen   
Umweltausschuss

Sachverhalt
Beschlussvorschlag
Anlage/n

Sachverhalt:

Auskunftsersuchen der BAbg. Jobs, Mirbach, Sturmhoebel, Winkler - Fraktion DIE LINKE

 

Vor dem Hintergrund verschiedener „Giftfahnen“ die sich unter Bergedorf befinden sollen (die Bergedorfer Zeitung berichtete hierzu mehrfach) fragen wir die Behörde:

 

Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) beantwortet das Auskunftsersuchen wie folgt:

 

1. Gibt es Grenzwerte für LCKWs im Grundwasser?

Zu 1.:

Nein.

 

1.1. Wenn ja: Wie hoch sind diese?

Zu 1.1.:

Entfällt.

 

 

2. In welchen Tiefen sind LCKW-Verschmutzung festgestellt worden? Bitte nach Fundort und Tiefe aufschlüsseln.

Zu 2.:

Bei den Grundwasserschäden in der Elbmarsch sind LCKW im 1. Grundwasserleiter festgestellt worden, dessen Basis bei rund 25 m NN liegt.

In der Geest sind die LCKW überwiegend in dem dortigen 1. Grundwasserleiter nachgewiesen worden, dessen Mächtigkeit und Tiefenlage aufgrund glazitektonisch überprägter geologischer Verhältnisse sehr unterschiedlich ausgebildet ist. In der Regel liegt die Basis des 1. Grundwasserleiters selten tiefer als 10 m unter Gelände. Lediglich an einem Standort an der  Bergedorfer Schlossstraße sind zwei Wasserleiter (die sogenannten Tal- und Beckensande) mit LCKW verunreinigt.

 

 

3. In welchen Tiefen ist nach LCKW-Verschmutzungen gesucht worden? Bitte, falls nicht einheitlich, nach Ort und Suchbereich aufschlüsseln.

Zu 3.:

Siehe Antwort zu 2. Lediglich an dem Standort an der Bergedorfer Schlossstraße ist auch eine Erkundungsbohrung bis in den dortigen 3. Grundwasserleiter abgeteuft worden. Die Bohrtiefe betrug rund 70 m. LCKW waren im 3. Grundwasserleiter nicht angetroffen worden.

 

 

4. Wurde die Neuallermöher Fleete auf LCKW-Belastungen untersucht?

Zu 4.:

Ja.

 

4.1. Wenn ja: Welche Werte wurden festgestellt?

Zu 4.1.:

Im Jahr 2002 wurden sechs, im Jahr 2003 acht Oberflächenwasserproben untersucht.

2003 wurden zusätzlich acht Sedimentproben untersucht. Die Probenahmepunkte lagen in der Kampbille (2), dem Annenfleet (2), dem Allermöher Bahnfleet (1) und dem Hauptfleet (3).

 

In den Oberflächengewässerproben waren in allen Proben LCKW in Spuren/geringen Konzentrationen nachgewiesen worden.

 

2002 betrug die LCKW in einer Probe <1  µg/l, Maximalkonzentration 16,4 µg/l im Allermöher Bahnfleet. Hauptkomponenten waren cis-Dichlorethen mit max. 12,0 µg/l und Vinylchlorid mit max. 4,4 µg/l.

 

2003 betrug die LCKW in vier Proben <1  µg/l, Maximalkonzentration 12,5 µg/l im Allermöher Bahnfleet. Hauptkomponenten waren cis-Dichlorethen mit max. 8,4 µg/l und Vinylchlorid mit max. 3,9 µg/l.

 

Die stoffliche Zusammensetzung der LCKW beider Untersuchungen spricht dafür, dass die LCKW aus dem Grundwasser eingetragen worden waren.

 

In den Sedimentproben waren keine LCKW nachweisbar.

 

2014 wurden in den Fleeten im Endbereich der „LCKW-Grundwasserfahne Weidenbaumsweg“ an neun Probenahmepunkte jeweils zwei Sediment- und eine Wasserprobe entnommen. Die Probenahmepunkte lagen im Landscheidefleet (7) und im Fährbuernfleet (2). Die Proben wurden auf LCKW analysiert.

 

Im Oberflächenwasser wurden, mit Ausnahme des südwestlichsten Probenahmeortes am Fährbuernfleet, LCKW in geringen Konzentrationen nachgewiesen. Am Landscheidefleet fanden sich LCKW-Konzentrationen bis zu 14,4 µg/l, am Fährbuernfleet bis zu 0,28 µg/l. Cis-Dichlorethen und Vinylchlorid wurden in allen Proben nachgewiesen.

 

Die Sedimentproben wurden aus zwei Tiefen entnommen (flach: 0-15 cm, tief: 15-25 cm). Im flachen Bereich der Sedimente fanden sich keine LCKW-Gehalte. Im tieferen Bereich wurden in zwei Proben LCKW-Gehalte gefunden (0,26 und 1,11 mg/kg). In beiden Proben wurden cis-Dichlorethen und Vinylchlorid nachgewiesen. Dieser Bereich wird dem Ende der Schadstofffahne zugeordnet, hier wurden auch die höchsten LCKW-Konzentrationen im Oberflächenwasser festgestellt.

 

4.2. Wenn nein; Warum nicht?

Zu 4.2.:

Entfällt.

 

 

5. Ist bekannt, an welcher Stelle das belastete Grundwasser an die Oberfläche tritt?

Zu 5.:

Aufgrund der vorliegenden Messergebnisse ist vermutet worden, dass Grundwasser im nördlichen Teil des Annenfleetes austritt.

 

5.1. Wenn ja: wo und wurden dort Messungen vorgenommen? Bitte ggf. die Messergebnisse aufführen.

Zu 5.1.:

Siehe Antwort zu 4.1.

 

5.2. Wenn nein: Warum nicht?

Zu 5.2.:

Entfällt.

 

 

6. Gibt es Verbindungen zwischen der LCKW-Belastung und der Situation am Eichbaumsee?

Zu 6.:

Der Eichbaumsee liegt in einer durch Bodenentnahme aus dem 1. Grundwasserleiter entstanden künstlichen Geländevertiefung. Das Grundwasser des 1. Grundwasserleiters und der Eichbaumsee dürften im hydraulischen Kontakt stehen. Es liegen keine Hinweise dafür vor, dass LCKW der Bergedorfer Grundwasserschäden in den Eichbaumsee eingetragen worden sein könnten.

 

 

7. Wie detailliert werden die vorhandenen Giftfahnen im Untergrund lokalisiert? Welche Streuung ist möglich? Gibt es ein 3D-Modell der Giftfahnensituation?

Zu 7.:

Die festgestellten Grundwasserschäden werden jeweils so weit erkundet, bis die Bodenschutzbehörde in der Lage ist, eine abschließende Gefährdungsabschätzung vornehmen zu können. Jede Darstellung eines Grundwasserschadens ist durch Interpolation von Konzentrationsgleichen aufgrund der jeweils vorhandenen Messwerte erzeugt worden. Dadurch sind Abweichungen zur Realität im gewissen Rahmen möglich. Da sich die Grundwasserschäden mit der Grundwasser-Fließrichtung ausbreiten und somit eine Vorzugsrichtung der Ausbreitung vorgegeben ist, sind gravierende Abweichungen nicht zu erwarten.

 

Von den Bergedorfer Grundwasserschäden sind drei so detailliert erkundet worden, dass von ihnen ein dreidimensionales Bild der Schadstoffverteilung vorliegt. Bei allen andern Schäden liegt nur ein zweidimensionales Verteilungsbild vor. Ein alle Grundwasserschäden beinhaltendes 3D-Modell liegt nicht vor.

 

 

8. Sind weitere Messbohrungen geplant?

Zu 8.:

Ja.

 

8.1. Wenn ja: Wann und durch wen

Zu 8.1.:

Ja.

 

2015 sollen an folgenden Stellen weitere Erkundungen durchgeführt werden:

  • Im Bereich Neuallermöhe durch den Schadensverursacher.
  • Im Bereich Bergedorfer Schlossstraße durch die BSU.

 

8.2. Wenn nein: Warum nicht?

Zu 8.2.:

Entfällt.

 

 

9. Wurde der Abbau der Pumpen durch die Hauni mit dem Bezirksamt abgestimmt?

Zu 9.:

Nein, da das Bezirksamt keine Zusndigkeit für das Grundwasser hat. Das Bezirksamt ist allerdings regelmäßig über den Fortgang der Sanierungsmaßnahmen informiert worden.

 

 

10. Welche Gründe wurden für den Abbau der Pumpen genannt?

Zu 10.:

Die hydraulische Sanierung war beendet worden, weil die LCKW-Konzentrationen stark zurückgegangen waren und ein Weiterbetrieb unverhältnismäßig gewesen wäre.

 

 

11. Welche Grundwassermessstellen gibt es derzeit in Bergedorf, Neuallermöhe und Lohbrügge? Bitte mit den jeweiligen Überwachungsaufgaben spezifizieren.

Zu 11.:

Im Bereich der Bergedorfer Grundwasserschäden gibt es rund 700 Messstellen. Dabei handelt es sich sowohl um klassische Grundwassermessstellen als auch um einmalige Grundwassermessungen mittels Sondierung mit horizontierter Grundwasserprobenahme.

 

Rund 400 Messstellen werden überwiegend für die Überwachung von Grundwasserschäden  genutzt. Bei ca. 285 Messstellen handelt es sich um einmalige Sondierungen mit horizontierter Wasserprobenahme.

 

11.1. Wie werden die Ergebnisse der Messstellen veröffentlicht?

Zu 11.1.:

Die Ergebnisse werden nicht veröffentlicht. Eine Information erfolgt nur auf Antrag nach Maßgabe des Hamburgischen Umweltinformationsgesetzes bzw. des Hamburgischen Transparenzgesetzes.

 

11.2. Bitte die aktuell gemessenen Schadstoffwerte nach Messstellen spezifizieren.

Zu 11.2.:

Siehe Anlagen 1 bis 5.

 

Aufgrund der lokal hohen Messpunktdichte war es nicht möglich, eine lesbare Karte mit allen Messstellen-Nummern zu generieren. Folglich ist nur eine Übersichtskarte ohne Messstellennummern erstellt worden (Anlage 1). Die geographische Zuordnung der Messstellen ist der Anlage 2 zu entnehmen. Es wird darauf hingewiesen, dass Schadstoffe mit dem Grundwasser verlagert werden und daher von der Lage der Messstelle nicht auf die Lage der Quelle im Boden gefolgert werden kann.

 

In den Anlagen 3 bis 5 sind die für die Bergedorfer Grundwasserschäden relevanten Parameter zusammengestellt worden. Weitere Schadstoff-Messungen von Parametern untergeordneter Bedeutung (z.B. Schwermetalle, Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)) sind nicht gelistet worden, weil dadurch die Lesbarkeit der Tabellen zu den Anlagen 3. bis 5. noch weiter erschwert worden wäre.

 

Zu den Messwerten sind einige Erläuterungen notwendig:

 

Fehlende Gesamtsummen LCKW / BTEX

Bei einigen Messstellen gibt es keine Gesamtsummen für die Summenparameter LCKW und BTEX. Diese werden intern in der Gewässerdatenbank berechnet. Liegen die Konzentrationen aller gemessenen Einzelparameter unterhalb der Bestimmungsgrenze werden diese Summen nicht gebildet.

 

Differenzierung Summe zu Einzelparameter

Abweichungen zwischen den Gesamtsummen für LCKW und BTEX und der Summe der Einzelparameter sind datentechnisch bedingt. In den Tabellen werden nicht alle gemessenen Parameter angegeben, sondern nur die relevantesten. Die hier nicht angegebenen Einzelparameter können jedoch ebenfalls zur Gesamtsumme beitragen. Bei älteren Analysen wurden außerdem zum Teil andere Parameterbezeichnungen benutzt als die heutigen, die in den Tabellen aufgeführt werden. Korrekt sind in jedem Fall die berechneten Gesamtsummen.

 

 

 


Petitum/Beschluss:

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Anlage/n:

Anlage 1: Karte mit Grundwasser-Messpunkten

Anlage 2: Koordinaten der Grundwasser-Messpunkte

Anlage 3: Untersuchungsergebnisse LCKW

Anlage 4: Untersuchungsergebnisse BTEX

Anlage 5: Untersuchungsergebnisse Cyanid

 

Stammbaum:
20-0224   Gibt es Grenzwerte für LCKW im Grundwasser?   Dezernat Steuerung und Service   Auskunftsersuchen nach § 27 BezVG
20-0224.1   Gibt es Grenzwerte für LCKW im Grundwasser?   Dezernat Steuerung und Service   Antwort