Bezirksversammlung Bergedorf

Drucksache - XVIII/1188  

 
 
Betreff: Radfahr-Unfälle (mit Antwort)
Status:öffentlichDrucksache-Art:Auskunftsersuchen nach § 27 BezVG
  Aktenzeichen:75.00-14
Federführend:Dezernat Wirtschaft, Bauen und Umwelt   
Beratungsfolge:
Bezirksversammlung Bergedorf
29.04.2010 
Sitzung der Bezirksversammlung Bergedorf ungeändert beschlossen   
Bezirksversammlung Bergedorf
26.08.2010 
Sitzung der Bezirksversammlung Bergedorf ungeändert beschlossen   

Sachverhalt

Freie und Hansestadt Hamburg

Bezirksamt Bergedorf

Bezirksversammlung

 

Az. 75.00-14              Drucksachen-Nr. XVIII/1188

              28.04.2010


 

Anfrage

gem. § 27 Bezirksverwaltungsgesetz

- öffentlich -

 


der BAbg. Fleige, Lühr, von Podlewski und GAL-Fraktion


 

Beratungsfolge

am

Top

Bezirksversammlung Bergedorf

29.04.2010

5.6

Bezirksversammlung Bergedorf

26.08.2010

5.1

 


!Titel!


Radfahr-Unfälle                            (mit Antwort)


!Titel!


 


 


Sachverhalt/Fragen

 


Am 18.03. kam es am Knoten Sander Damm / Kurt A. Körber Chaussee zu einem Unfall, bei dem eine Radlerin lebensgefährlich verletzt wurde. Einen weiteren Unfall gab es am 29.03. am Knoten B5 / Sander Damm, diesmal mit einem leicht verletzten Radler. Beide Unfälle ereigneten sich im Bereich sogenannter „Freier Rechtsabbieger“. Dabei handelt es sich um Rechtsabbiegerspuren, die an signalisierten Knotenpunkten unter Umgehung der LSA geführt werden. 

 

Vor diesem Hintergrund fragen wir die Verwaltung:

 

              Wie haben sich die Unfälle ereignet?

1.1              Wurden die Radfahrer beim Queren des „Freien Rechtsabbiegers“ angefahren?

1.2              Haben sich die Radfahrer regelkonform verhalten?

1.3              War überhöhte Geschwindigkeit der Autofahrer ein Grund für die Unfälle?

1.4              War die Radwegführung ein Grund für die Unfälle?

 

2.               Stellen „Freie Rechtsabbieger“ ein erhöhtes Sicherheitsrisiko für Radfahrer dar?

2.1               Anhand welcher objektiver Daten lässt sich das Sicherheitsrisiko für Radfahrer bei „Freien               Rechtsabbiegern“ quantifizieren?

2.2              Verleiten „Freie Rechtsabbieger“ Autofahrer zu erhöhten Geschwindigkeiten?

 

3.                Warum entspricht die Linienführung der Radwege an den Knoten B5 / Sander Damm und               Sander Damm / Kurt A. Körber Chaussee im Bereich der „Freien Rechtsabbieger“ nicht der               Plast 9?

 

4.               Wer ist an beiden Knotenpunkten für eine Verbesserung der Verkehrssicherheit durch               bauliche Maßnahmen entsprechend der Plast 9 zuständig?

 

5.               Wird sich die Verwaltung um eine Verbesserung der Verkehrsicherheit an beiden                             Knotenpunkten kümmern?

              a) kurzfristig, indem die Radwegfurten eine rote Oberfläche bekommen?

              b) Mittelfristig, indem die Radwegführungen entsprechend der Plast 9 geändert werden?

                                                                                                                                                                                      ...

 

-2-

 

6.               Wird die bisherige Planung für den Knoten Sander Damm / Kurt A. Körber Chaussee                             aufrechterhalten, insbesondere der neue „Freie Rechtsabbieger“ von der Kurt A. Körber               Chaussee in den Sander Damm, und wird die Radwegführung entsprechend der Plast 9               geändert?

 

7.               Wo sind in Bergedorf weitere „Freie Rechtsabbieger“ geplant und werden diese geplanten               freien Rechtsabbieger entsprechend der Plast 9 realisiert?

 

8.              Wie beurteilt das Bezirksamt den Flensburger Versuch, rechts abbiegende Autofahrer mit               einem radargestützten Blinklicht auf herannahende Radfahrer aufmerksam zu machen               (vgl. BZ vom 20.4.2010)?

 

Die Behörde für Inneres hat am 21.05.2010 zur Frage 1 folgende Stellungnahme übermittelt:

 

Vorbemerkung

Die Rechtsverfahren bei den genannten Verkehrsunfällen vom 18.03.10 und 29.03.10 sind zur Zeit nicht abgeschlossen („schwebende Verfahren“). Daher können hierüber keine Auskünfte über rechtsrelevante Tatsachen gegeben werden.

Dies vorausgeschickt nimmt die Verkehrsdirektion zu der in ihrem Zuständigkeitsbereich fallende Fragen 1. – 1.4 wie folgt Stellung:

Zu 1.:

Bei dem Verkehrsunfall am 18.03.2010 befuhr eine Radfahrerin den Sander Damm in Richtung Kurt-A.-Körber-Chaussee. Beim Queren des Rechtsabbiegers am Einmündungsbereich Sander Damm / Kurt-A.-Körber-Chaussee über die dortige Radfurt stieß sie mit einem rechtsabbiegenden Fahrzeugführer zusammen.

Der Unfall am 29.03.2010 ereignete sich im Kreuzungsbereich Bergedorfer Straße / Sander Damm. Ein Radfahrer wollte die Fahrbahn (Rechtsabbiegefahrtstreifen) des Sander Damm in Richtung Weidenbaumsweg auf der Radfurt überqueren und stieß dort mit einem abbiegenden Pkw-Fahrer zusammen.

Bei beiden vorgenannten Unfällen wurden die Radfahrer verletzt.

Zu 1.1.: Ja. Siehe auch Antwort zu Frage 1.

Zu 1.2. und 1.3.: Siehe Vorbemerkung.

Zu 1.4.:

Nein. Die Radwege führen parallel zur Fahrbahn. Dadurch wird die Sichtbeziehung unter den Verkehrsteilnehmern gefördert und ermöglicht eine leichte gegenseitige Wahrnehmung.

Zudem weisen am Kreuzungsbereich Bergedorfer Straße / Sander Damm Verkehrszeichen Nr. 138 sowie unmittelbar vor der Radfurt Verkehrszeichen Nr. 205 mit Zusatzzeichen Nr. 1000-32 auf querende Radfahrer hin.“

Zu der vorgenannten Anfrage hat die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) zu den in Ihrem Zuständigkeitsbereich liegenden Fragen 2-7 am 04.08.2010 wie folgt Stellung genommen:

Zu 2.:

Grundsätzlich sollen gemäß PLAST 9 (2000) „freie Rechtsabbiegestreifen für den Kfz-Verkehr an signalisierten Knoten […] aus Sicherheitsgründen nur in besonderen Fällen eingerichtet werden.“ Die Richtlinie für die Anlage von Stadtstraßen (RASt) des FGSV formuliert weitergehend, dass sie „nur in Ausnahmefällen angewendet werden sollen, z.B. wenn sie aus fahrgeometrischen Gründen erforderlich sind“.                                                                                                                                           

                                                                                   

Die Lösung eines freien Rechtsabbiegers über eine Dreiecksinsel kann jedoch nicht pauschal als verkehrsunsicher bezeichnet werden. Die Verkehrssicherheit kann u.a. erhöht werden, wenn

                                                                                                                                                                                      ...

-3-

 

entsprechende Anpassungen an der Radverkehrsführung vorgenommen und Autofahrerinnen und Autofahrer z.B. durch kleinere Radien zum langsameren Fahren (Rechts abbiegen) angehalten werden (siehe Umbaumaßnahmen an den Knotenpunkten Robert-Schuhmann-Brücke/Schloßstraße in Wandsbek sowie Wallstraßenbrücke/Steinhauerdamm in Hamburg-Mitte). Zusätzlich ermöglichen kompakte Knotenpunkte übersichtliche und damit verkehrssichere Verkehrsführungen für Radfahrerinnen und Radfahrer bezüglich der freien Rechtsabbieger.

 

Zu 2.1:

Eine Quantifizierung ist ausschließlich über die Unfallstatistik möglich. Als Kriterien für eine qualitative Sicherheitsbewertung können Kurvenradien, die damit möglichen Geschwindigkeiten des Kfz-Verkehrs, die tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeiten des Kfz-Verkehrs (ggf. zu unterschiedlichen Tageszeiten), Kfz-, Fußgänger- und Radverkehrsaufkommen (ggf. auch auf der Straße, in die der freie Rechtsabbieger einmündet), straßenverkehrsbehördliche Maßnahmen, wie z.B. Anordnungen von Fußgängerüberwegen mit Beleuchtung und Beschilderung benannt werden.

 

Zu 2.2:

Dies ist grundsätzlich nicht auszuschließen. Zu Gegenmaßnahmen siehe Antwort zu 2., 2. Absatz.

 

Zu 3.:

Beide hier angesprochene Knotenpunkte mit ihren Dreiecksinseln bestehen mit ihren Verkehrsführungen, ausgenommen geringfügiger Anpassungen, die jedoch nicht die Dreiecksinseln betrafen, seit mehr als 20 Jahren. Sie entsprechen den damaligen, aber nicht den heutigen Planungsstandards, insbesondere was die Belange des Radverkehrs betrifft.

 

Zu 4.: Die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt.

 

Zu 5. bis 6.:

Als Maßnahme der Unfallkommission wurde der Knotenpunkt Sander Damm / Bergedorfer Straße (B 5) erst jüngst überplant. Nach Umbauten und neuer Verkehrsführung ist der Knoten dann im I. Quartal 2008 verkehrsabhängig in Betrieb gegangen. Eine abschließende Bewertung der durchgeführten Maßnahmen kann jedoch erst erfolgen, wenn die Umbaumaßnahmen am ZOB Bergedorf fertig gestellt sind und ein Evaluationsverfahren durchgeführt wurde.

 

Am Knotenpunkt Sander Damm / Kurt-A.-Körber-Chaussee ist die Planung mit dem freien Rechtsabbieger mittlerweile gegenstandslos geworden.

 

An den Knotenpunkten Sander Damm / Bergedorfer Straße (B 5) sowie Sander Damm / Kurt-A.-Körber-Chaussee sind derzeit keine Verbesserungsmaßnahmen und Überplanungen vorgesehen. Gleichwohl wird die BSU prüfen, ob durch geeignete kleinere Maßnahmen kurzfristig eine Erhöhung der Verkehrssicherheit erzielt werden kann. Über das Ergebnis wird die BSU die Bezirksversammlung unaufgefordert unterrichten.

 

Zu 7.:

Im Bezirksamtsbereich Bergedorf sind gegenwärtig keine Planungen mit freien Rechtsabbiegern an Hauptverkehrsstraßen vorgesehen.“

 

Das Bezirksamt Bergedorf beantwortet Frage 8 wie folgt:

Zu 8.:

Für Planung, Bau und Betrieb von Lichtsignalanlagen ist in Hamburg ausschließlich die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt bzw. der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer zuständig. Die Beurteilung des Flensburger Pilot-Versuchs bleibt daher der BSU vorbehalten.


 


 


 


 

Anlage/n:

ohne Anlagen