Bezirksversammlung Bergedorf

Drucksache - XVIII/1213  

 
 
Betreff: Freie Hebammen in Bergedorf: Viel Idealismus, wenig Verdienst (mit Antwort)
Status:öffentlichDrucksache-Art:Große Anfrage nach § 24 BezVG
  Aktenzeichen:569-02.2
Federführend:Dezernat Soziales, Jugend und Gesundheit   
Beratungsfolge:
Bezirksversammlung Bergedorf
27.05.2010 
Sitzung der Bezirksversammlung Bergedorf ungeändert beschlossen   
Bezirksversammlung Bergedorf
26.08.2010 
Sitzung der Bezirksversammlung Bergedorf ungeändert beschlossen   

Sachverhalt

Freie und Hansestadt Hamburg

Bezirksamt Bergedorf

Bezirksversammlung

 

569-02.2              Drucksachen-Nr. XVIII/1213

              25.05.2010


 

Große Anfrage

gem. § 24 Bezirksverwaltungsgesetz

- öffentlich -


der BAbg. Kuttenkeuler, Schumacher, Wessling und Fraktion der CDU


 

Beratungsfolge

am

TOP

Bezirksversammlung Bergedorf

27.05.2010

2.3

Bezirksversammlung Bergedorf

26.08.2010

2.1

 


!Titel!


Freie Hebammen in Bergedorf: Viel Idealismus, wenig Verdienst              (mit Antwort)


!Titel!


 


 


 

Sachverhalt/Fragen

 


Für werdende Mütter könnte ab dem 1. Juli 2010 schwierig werden, im Bezirk Beistand durch eine freie Hebamme bei der Geburt zu finden. Denn ab diesem Stichtag steigen die Kosten der Haftpflichtversicherung für freie Hebamme so dramatisch an, dass sich vermutlich viele freiberufliche Hebammen die Geburtshilfe kaum noch leisten können. So erhöht sich die Versicherungsprämie gegen Schadensersatzansprüche auf 3.689 Euro. 2007 betrugen die Kosten mit 1.218 Euro nicht mal ein Drittel. Niedergelassene Ärzte, die Geburtshilfe anbieten, müssen nach den Zahlen der Deutschen Ärzteversicherung (DÄV) bereits heute ein Vielfaches für die Berufshaftpflicht aufbringen.

In Presseberichten wurde jüngst die Befürchtung geäußert, dass bedingt durch die steigende Versicherungsprämie die Gefahr bestehe, dass es bald keine außerklinische Geburtshilfe und damit keine Hausgeburten oder Entbindungen in Geburtshäusern im Bezirk mehr geben könnte.

Vor diesem Hintergrund fragen wir das Bezirksamt:

Wie viele freie Hebammen gibt es derzeit im Bezirk Bergedorf?

Wie hat sich deren Zahl in den letzten vier Jahren entwickelt?

Wie viele der in 1 genannten freien Hebammen arbeiten als Beleghebammen?

Wie stellt sich die Altersstruktur der freien Hebammen im Bezirk dar?

Wie hoch ist der Bedarf an freiberuflichen Beleghebammen

a.              aus Sicht der Kliniken

b.              aufgrund der Nachfrage durch Frauen?

Wie viele Hebammen sind im Bethesda Allgemeinen Krankenhaus Bergedorf freiberuflich und/oder fest angestellt tätig?

Wie viele der freiberuflichen Hebammen am Bethesda Allgemeinen Krankenhaus Bergedorf führen Entbindungen durch?

Wie viele Hebammenstellen sind im Bezirk Bergedorf nicht besetzt?

                                                                                                                              ...

-2-

 

Wie viele Mütter im Bezirk haben in den in den letzten vier Jahren von einer Begleitung durch eine freiberufliche Hebamme während der gesamten Schwangerschaft Gebrauch gemacht?

Wie viele Geburten betreute eine freiberufliche Hebamme im Bezirk durchschnittlich in den letzten vier Jahren?

Gab es in den letzten vier Jahren Hausgeburten in Bergedorf? Wenn ja, wie viele?

Wie viele niedergelassene Ärzte im Bezirk bieten Geburtshilfe an?

Hat sich die Zahl der niedergelassenen Ärzte, die im Bezirk Geburtshilfe anbieten, in den letzten vier Jahren verändert? Wenn ja, wie?

 

Das Bezirksamt Bergedorf beantwortet vorstehende Große Anfrage nach Beteiligung des BAKB und der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg wie folgt:

Zu 1.:

Dem Bezirksamt sind mit Stichtag 25.5.2010 insgesamt 20 freiberufliche Hebammen gemeldet.

Zu 2.: Seit 2006 gab es eine Anmeldung und drei Abmeldungen.

Zu 3.: Dem Bezirksamt liegen hierzu keine Angaben vor.

Zu 4.:

Die Alterstruktur stellt sich wie folgt dar:

Altersstruktur                                                 Anzahl

20- bis 30jährige Hebammen              3

30- bis 40jährige Hebammen              4

40- bis 50jährige Hebammen              9

50- bis 60jährige Hebammen              4

 

Die folgenden Fragen 5 - 7 wurden vom BAKB wie folgt beantwortet:

Zu Frage 5:

Ein Bedarf an Beleghebammen besteht seitens der Frauen und dadurch auch seitens des BKB. Viele Schwangere wünschen die individuelle und über einen längeren Zeitraum durchgeführte Betreuung aus einer Hand. Eine solche ist durch die Beauftragung einer Beleghebamme gewährleistet. Die werdenden Mütter haben die Möglichkeit, bereits lange vor der Entbindung die Hebamme kennen zu lernen, die sie während der Schwangerschaft und dann eben auch während der Entbindung begleitet. Hierdurch wächst ein Vertrauensverhältnis, welches den Geburtsverlauf positiv beeinflussen kann. Die Kliniken sind darüber hinaus auch deswegen an der Zusammenarbeit mit den Beleghebammen interessiert, da diese unter Umständen Patientinnen an das Haus binden, die ohne die Beleghebammen nicht im BKB entbunden hätten.

Im BKB betragen die durch Beleghebammen vermittelten Geburten knapp 10% der Entbindungen. Eine Ausweitung dieses Anteils wäre vorstellbar.

Zu Frage 6:

Das BKB beschäftigt insgesamt 12 festangestellte Hebammen. Etwa vier Beleghebammen arbeiten im Jahresdurchschnitt mit dem BKB zusammen.

Zu Frage 7:

Die vier genannten Beleghebammen führen Entbindungen am BKB durch“.

                                                                                                                                                                                      ...

 

-3-

 

Zu 8.:

Bei den Hebammen handelt es sich um einen freien Beruf. Jede Hebamme kann sich nach Belieben im Bezirk niederlassen. Einer Bedarfsermittlung im Sinne von zu besetzenden Stellen gibt es nicht.

Zu 9. und 10.:

Hierzu liegen dem Bezirksamt keine Angaben vor.

Zu  11.:

Ja. In dem genannten Zeitraum (2006-2009) gab es insgesamt 23 Hausgeburten.

 

Die Fragen 12 und 13 wurden durch die KV Hamburg wie folgt beantwortet:

Zu 12.:

Im Juni 2010 waren in Bergedorf 12 Fachärzte für Frauenheilkunde und Geburtshilfe niedergelassen.

 

Zu 13.:

Ja, siehe Tabelle:

                                          Niedergelassen                            Angestellt

2006                                                        11                                                        1             

2007                                                          9                                                        1

2008                                                        14                                                        2

2009                                                        12                                                        2“


 


 


 


 

 

Anlage/n:

ohne Anlagen